„Das Heilige Land beiderseits des Jordan“ – Bericht über die Pfarreireise im Oktober 2018

Vom 10.-19. Oktober 2018 besuchten 23 Reiseteilnehmer aus unserer Seelsorgeeinheit, Liechtenstein und der Sächsischen Schweiz Jordanien und Israel. Die Reise führte von Jordaniens Hauptstadt Ammann durch vielfältige Wüstenlandschaften. Nach einer kurzen Nacht ging es am Donnerstag, 11.10., zuerst zu den Überbleibseln der Herodesfestung Machärus. Über einen kurzen Fussweg stiegen wir auf die Anhöhe, von wo aus wir einen Blick auf das Tote Meer werfen konnten. Es ist möglich, dass in dieser Festung vor 2000 Jahren Johannes der Täufer hingerichtet wurde. Die Berglandschaft am „Desert Highway“ führte uns dann zum Berg Nebo. Die oben platzierte Eherne Schlange erinnert an Moses, der von hier einen vermutlich nicht so diesigen Blick auf das Gelobte Land werfen konnte, es aber selber nicht betreten durfte und verstarb. In Madaba bewunderten wir die älteste Landkarte der Welt, eingelassen in ein Fussbodenmosaik, das zwar nur noch in Teilen erhalten ist, dafür aber mit verschiedenen Ortsnamen einen Überblick über die Orte und Landschaften im östlichen Mittelmeerbereich bis nach Ägypten bietet.
Die folgenden beiden Tage gehörten sicher zu den Höhepunkten der Reise, nämlich der Besuch der Nabatäerstadt Petra. Durch eine Schlucht, den Siq, geht es vorbei an monumentalen Felsengräbern. Und dann entführte uns unser jordanischer Reiseleiter auf eine dreistündige Wanderung oberhalb von Petra durch die Bergwelt der Wüste. Der Weg führte oft knapp an den Felsklippen entlang und mancher vermied den Blick in die Tiefe. Aber die sich immer neu um jeden Felsen herum öffnenden Landschaften faszinierten schliesslich auch die nicht ganz Schwindelfreien.
Eine rassige Jeepfahrt durch verschiedene Seitentäler des Wadi Rum erwartete uns dann am Sonntag. Hier zeigte sich die Wüstenlandschaft von einer ihrer schönsten Seiten. Die rötlich schimmernden Berge zeigten, dass wir uns in der biblischen Landschaft von Edom befanden. Vermutlich führt, nach den aktuellen Erkenntnissen der Archäologie, hierhin auch eine Spur zu den Ursprüngen unseres Gottesglaubens. In Elat am Roten Meer erwartete uns eine ausführliche Grenzkontrolle beim Übergang von Jordanien nach Israel, und es hiess Abschied nehmen von unserm jordanischen Reisebegleiter, Ahmad Abu Ayyash, der uns sicher durch die Berge und Wüsten Moabs und Edoms geführt hatte, und immer wieder mit seinen fundierten archäologischen Kenntnissen überraschte. Auf der israelischen Seite erwartete uns dann Heidi Fenz, die uns schon vor drei Jahren das Heilige Land kompetent näher brachte. Ihre Freude war unverkennbar, so viele aus der alten Reisegruppe wiederzusehen. Beim Baden im Roten Meer sahen wir an der Schnittstelle von Jordanien, Israel, Saudi-Arabien im Osten, und dem beginnenden ägyptischen Sinai im Westen dem Sonnenuntergang entgegen.
Am Montag, 14. Oktober, wanderten wir durch den Ramonkrater mit seinen bizarren Sandsteinformationen in der Negevwüste und besuchten in der Oase Ein Saharonim die Überbleibsel einer nabatäischen Karawanserei.
Am Dienstag feierte P. Gregor Syska mit uns an einem ungewöhnlichen Ort Gottesdienst. Denn der Weg durch das Wadi Avdat führte uns zu einer Quelle mitten in der Wüste. Immer wieder begegneten uns Steinböcke, die sich sportlich elegant die steilen Felsmassive hochschwangen. Am Nachmittag besichtigten wir dann eine weitere Nabatäerstadt in Mamshit und entdeckten dort auch Säulen und Mosaike, sowie das klein geratene Taufbecken einer frühchristlichen Kirche.
Die letzten Tage schliesslich gehörten Jerusalem. Der Besuch begann mit dem bekannten Gang vom Ölberg durch das Kidrontal, Löwentor, über die Via Dolorosa zur renovierten Grabeskirche. Spätestens hier sehnten sich manche aus unserer Reisegruppe zurück in die einsamen Wüstenlandschaften. Beeindruckend jedoch war die Besichtigung der alten Davidsstadt, wo Archäologen immer noch nach Spuren des salomonischen Tempels suchen.
Am Tag vor der Rückreise konnte P. Gregor Syska mit uns in der Dormitiokirche auf dem „Christlichen Zion“ einen Gottesdienst feiern. Die Kirche liegt etwas abseits im Süden Jerusalems, Gelegenheit, auf die eindrucksvollen Erlebnisse der vergangen Tage noch einmal zurückzuschauen. Nach dem Besuch des Tempelbergs gehörte der Nachmittag der persönlichen Gestaltung.
Die zurückliegenden Eindrücke vor allem der jordanischen und israelischen Wüstenlandschaften haben sicher das Nachdenken über die geschichtlichen und geographischen Ursprünge unseres Gottesglaubens bei allen Teilnehmerinnen und Teilnehmern neu wecken können.

Bernd Ruhe